Der Anfang vom Ende
Geschrieben am 05.04.2003 um 23.40 Uhr / von Otfried Nassauer


Viermal: Der Anfang vom Ende. Ihn kennzeichnen heute eine ganze Reihe verschiedener Indizien.

Erstens: Amerikanische Panzertruppen haben eine Spritztour nachBagdad unternommen - sie sagen ins Zentrum der Stadt. Gespritzt ist Blut - auf beiden Seiten. Begleitende Reporter sprechen von Hunderten von Toten und fanatischem Widerstand der Iraker. Mit anderen Worten: Der Anfang vom Ende. Vom Ende eines propagandistischen Kriegsbildes: Hier die humanen Befreier, interessiert an der Erhaltung von Kulturgütern, Infrastruktur und in dem Bemühen, möglichst wenige Zivilisten zu Schaden kommen zu lassen. Da die barbarischen Verteidiger der Diktatur, Selbstmordattentäter, Kämpfer in Zivil und aus dem Hinterhalt, vernichtend, was sie vorgeben zu verteidigen - den Irak und seine Bürger.

Zweitens: Der irakische Informationsminister gibt indirekt zu, was er Stunden zuvor bestritt: US-Truppen sind in Bagdad. Nun will man sie erfolgreich zurückgeschlagen haben. Plumpe Lügen haben noch kürzere Beine. Der Anfang vom Ende der vielfach offensichtlichen Propagandalügen, die seit Tagen eher klingen wie schlechte Versuche, Märchen aus Tausend und einer Nacht zu erzählen.

Drittens: Condoleeza Rice startet den Gegenangriff auf Colin Powell: Die UNO, mit den Kriegsdienstverweigerern Deutschland, Frankreich, Russland und China an der Spitze - sie werde eine nachgeordnete Rolle beim Wiederaufbau des Irak spielen, die Hauptrolle komme jetzt jenen zu, die mit Blut für die Befreiung des Irak eingetreten sind. Der Anfang vom Ende der Illusion, Washington werde nach dem Kriege reumütig in den Schoß des Multilateralismus und brüskierten internationalen Organisationen zurückkehren. Der Anfang vom Ende der Hoffnung auch deutscher Diplomaten und Politiker, über eine Petersberg-Konferenz a la Kosovo oder Afghanistan strategisch Einfluß nehmen zu können. Tony Blair beginnt, den vor ihn liegenden Scherbenhaufen zu erkennen. Sein Einfluß auf das Geschehen ist von Washingtons Gnaden. Und Washington, das sind dieser Tage die Multilateralisten a la carte.

Viertens, Fragen: War der heutige Tag der Anfang vom Ende der Hoffnungen auf einen begrenzt blutigen Krieg? War er der Anfang vom Ende der Hoffnungen auf die Begrenzbarkeit des Krieges? Es ist zu befürchten.

 

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