Deutsche Rüstungslieferungen für Israel normal
Interview mit Otfried Nassauer
Israel will in Deutschland zwei Kriegsschiffe bestellen und dafür
möglichst nichts be-zahlen. Solche millionenschweren Exporte sind
durchaus nichts Ungewöhnliches, weiß der Sicherheitsexperte
und Leiter des Berliner Informationszentrum für Transatlantische
Sicherheit, Otfried Nassauer. Wir haben ihn gefragt:
MDR-info: Was genau sind die Hintergründe?
Nassauer: Der Handel mit Kriegsgerät zwischen Deutschland und Israel
ist in der Tat normal. Und es ist vor allem eine mehr als fünf Jahrzehnte
alte Geschichte. Noch bevor die Bundeswehr ihre ersten Kriegsschiffe bekam,
haben deutsche Werften zwei Patrouillenboote nach Israel geliefert. Und
auch in den Folgejahrzehnten ist immer wieder deutsche Marinetechnik an
Israel geliefert worden: Schnellboote, die in Frank-reich oder U-Boote,
die in England montiert wurden. Und in den letzten Jahren war das auch
wieder so. Wir wissen alle, dass Israel aus Deutschland und aus wesentlich
deutschen Finanzquellen mittlerweile fünf U-Boote des Typs Dolphin
bekommt und im Moment versucht, ein sechstes mit deutschen Behörden
finanziell abzusprechen.
Ist das eine Einbahnstraße von Deutschland nach Israel?
Nein, das ist keine Einbahnstraße von Deutschland nach Israel,
sondern das ist schon ganz zu Beginn dieses Prozesses in den 50er Jahren,
als die Herren Peres, den es heute ja noch gibt, und Strauss diese Geschäfte
angeschoben haben, immer ein Geschäft auf Gegenseitigkeit gewesen.
Auch Israel hat immer wieder Rüstungs-güter nach Deutschland
geliefert. Angefangen bei den UZI-Maschinenpistolen, die fast jeder Bundeswehrsoldat
kennt, über Mörsermunition, elektronische Kampfmittel in den
70er und 80er Jahren, und heute Drohnen und ähnliche hochentwickelte
Technologie.
Mit Blick in den Nahen Osten - sind diese Geschäfte in der Region
bekannt?
Diese Geschäfte sind im Nahen Osten bekannt und haben auch in der
Vergangen-heit mehrfach zu größeren Konflikten geführt.
Schon in den 60er Jahren, als die ersten größeren Lieferungen
Deutschlands nach Israel bekannt wurden.
Was heißt das für die Glaubwürdigkeit der Deutschen
als Mittler in dieser Region?
Die Deutschen haben einerseits eine Rolle als Mittler, weil sie mit beiden
Seiten gut reden können und auch viele Vermittlungsgeschäfte
organisieren. Zum Beispiel den Austausch israelischer Gefangener gegen
in Israel gefangene Palätinenser. Sie haben auf der anderen Seite
diese Vermittlerrolle in gefährdeter Form, dadurch dass sie Rüstungsgüter
liefern, die jeweils die andere Seite aufregen.
Zum aktuellen Fall - wie es heißt geht Israel davon aus, dass
diese Schiffe umsonst geliefert werden. Woher rührt dieser Anspruch?
Ich glaube, es ist kein Anspruch Israels, die Schiffe umsonst zu bekommen,
sondern es ist die Einstiegsposition in die Verhandlungen mit Deutschland,
ähnlich wie die Israelis ja auch bei den Verhandlungen um die Dolphin-U-Boote
immer gesagt haben, wir wollen, dass die komplett aus Deutschland finanziert
werden, weil wir das Geld dazu nicht haben. Israel ist ein sehr devisenarmer
Staat.
Gibt es denn dafür Grundlagen, Abkommen, Verträge?
Nein, Abkommen und Verträge, die Deutschland dazu verpflichten würden,
gibt es nicht. Es gibt auf der einen Seite die historische Verpflichtung
und das historische Verhältnis zu Israel und auf der anderen Seite
die gegenseitigen Interessen. Also die Steuerausgaben Israels zu schonen,
und mit deutschem Steuergeld Marineschiffe zu kaufen. Da glauben halt
eben viele Bundesregierungen in vielen Jahrzehnten immer wieder, dass
das dem deutschen Bürger relativ gut zu vermitteln ist und deswegen
macht man das.
Das heißt also, jede Bundesregierung ist in dieser Bringpflicht?
Jede Bundesregierung sieht sich in dieser Bringepflicht und begründet
das mit der besonderen Verantwortung der Bundesrepublik für die Existenz
Israels.
Aber ist es heutzutage wirklich nur noch die besondere Geschichte
zwischen Deutschland und Israel, die das Geschehen bestimmt oder gibt
es andere Motive?
Inzwischen gibt es sicherlich auch andere Motive, beispielsweise die
Leistungsfähig-keit der israelischen Rüstungsindustrie, die
durchaus zu deutsch-israelischen Rüstungskooperationen im High-Tech-Bereich
führen kann, und wo die Industrie ihrerseits ein Interesse hat, mit
der israelischen Industrie zusammenzuarbeiten. Zumal, wenn aus deutschen
Steuergeldern deutsche Rüstungsfirmen Aufträge für Israel
erfüllen, was ja auch Beschäftigungsinteressen dieser Firmen
abdeckt.

ist freier Journalist und leitet
das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit - BITS
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