Kleinwaffen Newsletter
Mai 2008


Rezension: Kindersoldaten & Kleinwaffen

von Roman Deckert

Zu den grauenhaftesten Erscheinungen unserer Zeit gehört die Kindersoldatenproblematik. Doch erst seit wenigen Jahren erfährt dieses Thema verstärkte Aufmerksamkeit. Bücher ehemaliger Kindersoldaten und Kindersoldatinnen, Reportagen über minderjährige Kämpfer und Sexsklavinnen in Uganda und Kongo sowie Hollywood-Blockbuster wie "Blood Diamond" haben das Interesse der westlichen Öffentlichkeit geweckt. Die komplexen Ursachen, Hintergründe und Zusammenhänge werden jedoch allzu häufig auf einfache Erklärungen wie ethnische Konflikte verkürzt.

Um so wichtiger ist das Buch "Kindersoldaten, neue Kriege und Gewaltmärkte" von Michael Pittwald, das jetzt in einer zweiten überarbeiteten und aktualisierten Neuauflage erschienen ist (Sozio-Publishing-Verlag, Belm-Vehrte 24,90 142 Seiten), mit einem Vorwort eines "Veteranen" der Friedensforschung, Dr. Peter Lock. Pittwald, promovierter Politikwissenschaftler und Leiter des Osnabrücker Instituts für praxisorientierte Sozialforschung & Beratung, hat ein Standardwerk geschrieben. Dabei ist zu hoffen, dass es über den Kreis der Fachleute hinaus weite Beachtung findet.

Der erste Teil der Untersuchung umfasst Übersichten über den Forschungsstand, die Rekrutierungsfaktoren, die Geschichte des Kindersoldatentums, die völkerrechtliche Lage und schließlich den Einfluss von Ökonomie und Ideologie. Der zweite Teil besteht aus einer empirischen Fallstudie über frühere Kindersoldaten in Mosambik. Die gesamte Darstellung besticht durch eine überaus klare Differenzierung der Thematik. Sie läßt sich ebenso gut von Anfang bis Ende durchlesen wie als Nachschlagewerk für einzelne Aspekte benutzen.

Aus DAKS-Sicht ist besonders erfreulich, dass Pittwald der zentralen Rolle von Kleinwaffen ein eigenes Unterkapitel einräumt. Zwar stellt er klar, dass "die bloße Existenz von Kleinwaffen noch kein Grund für einen Krieg oder bewaffneten Konflikt [ist]." Er betont jedoch, dass gerade in Entwicklungsländern "ohne diese Waffen Kriege nicht über längere Zeiträume geführt werden [können]."

Während viele andere Berichte den Fokus nur auf die allgegenwärtige Kalaschnikow richten, widmet sich Pittwald dankenswerterweise auch eingehend dem G3-Sturmgewehr von Heckler & Koch. Tatsächlich ist die Kalaschnikow wegen ihres geringeren Gewichts und robusteren Designs die Standardwaffe der meisten Kindersoldaten. Es gibt jedoch etliche Belege dafür, dass das G3 und sein Ableger HK33 in zahlreichen Konflikten die zweithäufigsten Mordinstrumente sind.

So lieferte der deutsche Exportschlager einem Bericht von Human Rights Watch über Kindersoldaten in Birma den Titel: "My Gun was as tall as me." Beschlagnahmungen bei der ugandischen Lord's Resistance Army haben gezeigt, dass das G3 auch bei der wohl berüchtigsten Kindersoldaten-Truppe die Nummer Zwei ist. Ein eindrucksvolles Bild von einem afrikanischen Kindersoldaten mit G3 bietet eine Broschüre des Freiburger RüstungsInformationsBüros (RIB) über die Oberndorfer Waffenschmiede: http://www.rib-ev.de/daks/grafik/fonds3.jpg


 

arbeitet als Kleinwaffen-Analyst im Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) und ist Vorstandsmitglied des RüstungsInformationsBüros Freiburg i.Br. (RIB).